Seit zwei Tagen befinde ich mich auf der Flucht oder bleibe überwiegend in meinem Appartement. Der Grund? Nun ja - es ist wieder mal Songkran, das thailändische Neujahrsfest, die Zeit von Wasserschlachten und Babypuder. Im Gegensatz zum westlichen Neujahrsbrauchtum werden zwar keine Raketen in die Luft geschossen, dafür wird man mit eimerweise (Eis-)Wasser übergossen und mit weisser Farbe bemalt...
Songkran ist das Neujahrsfest in Thailand und Laos und geht auf den Mondkalender zurück. Das Wort selbst entstammt dem Sanskrit und bezeichnet den Übergang von einem Tierkreiszeichen zum nächsten. Gefeiert wird - so zumindest die offizielle Version - jedes Jahr vom 13. bis 15. April. Doch die Praxis sieht uneinheitlich aus. In manchen Gegenden geht es bereits einen Tag früher los, in anderen - beispielsweise im Küstenort Pattaya - wird bis zum 19. April, also volle sieben Tage, gefeiert.
Wer einmal in Thailand den Jahreswechsel mitgemacht hat, der wird sich vor allem daran erinnern, dass es während der Festtage schier unmöglich ist auch nur einige wenige Meter trocken eine halbwegs belebte Straße entlangzugehen. Ausgehend von Ursprüngen in der rituellen Waschung und Säuberung zum Beginn des neuen Jahres veranstalten Thais - speziell in den größeren Städten und Touristenorten - wahre Wasserschlachten. Autos fahren durch die Straßen und transportieren Wassertonnen und einen Haufen exzessiv feiernder Menschen. Vom Wagen aus werden Passanten dann mit dem meist mit Eiswürfeln vermengten Wasser bespritzt oder auch übergossen. Auch Wasserpistolen kommen zum Einsatz und erfreuen sich während der Tage vor Songkran reißenden Absatzes in den Geschäften.
Touristen sind übrigens eine besonders gern gesehene Zielscheibe. Das Ganze ist natürlich nicht böse gemeint, kann am siebten Tag (Pattaya!), der hundertfünfzigsten Wasserschlacht und der dreißigsten Bemalung aber auch durchaus nerven. Aber oft sind es gerade die Farangs (der westliche Ausländer in Thai), die über die Stränge schlagen und von starkem Alkoholkonsum begünstigt die Festtage zum offenen Krieg machen (Khao Sarn Road, Bangkok!). Dass diese Farangs kein Wort Thai können und nicht mal im Ansatz wissen, warum das Ganze veranstaltet wird, versteht sich von selbst...
Traditionell - und mir persönlich bedeutend sympathischer - ist der Songkran-Brauch, ältere Familienmitglieder zu besuchen und ihnen Respekt und Dankbarkeit durch das Übergießen der Hände mit einer Essenz aus Wasser und Jasmin-Blüten zu erweisen. Auch Buddha-Figuren und Mönche in den zahlreichen Wats (Tempeln) des Landes werden zum thailändischen Neujahrsfest "gebadet".