Eigentlich seltsam - die allerwenigsten Menschen wissen wohl was Lysergsäurediethylamid ist, aber nahezu jeder kennt die gebräuchliche Kurzform dieser Verbindung LSD. Am vergangenen Dienstag verstarb der Entdecker der halluzinogenen Droge Albert Hofmann im Schweizer Kanton Basel im hohen Alter von 102 Jahren.
Die Entdeckung von LSD war - wie so vieles im Leben - übrigens purer Zufall. Der Schweizer Chemiker Albert Hofmann machte kurz vor dem 2. Weltkrieg einige Experimente zur Entwicklung eines Kreislaufmittels. Zu diesem Zweck synthetisierte er aus dem Getreidepilz Mutterkorn Lysergsäurediethylamid. Darauf folgende Tierversuche brachten nicht das gewünschte Ergebnis, weshalb Hofmann das Interesse an dem Mutterkorn-Produkt wieder verlor.
Rund fünf Jahre später bekam Albert H. dann zufällig im Zusammenhang mit seinen Experimenten etwas von dem Wirkstoff auf die Haut und entdeckte so die psychogene Wirkung der Substanz. Der Chemiker schilderte starke Bewusstseinsveränderungen im Verbund mit extremen Ängsten. Der erste Trip klang einige Stunden später wieder ab und der Schweizer beschloss, weiter mit der Substanz zu experimentieren und die Ergebnisse genau zu dokumentieren.
Der damalige Arbeitgeber des Schweizers, der eidgenössische Pharmakonzern Sandoz, produzierte Lysergsäurediethylamid einige Zeit später zu medizinischen und Forschungszwecken. Der damalige Handelsname Delysid ist heute kaum noch jemanden bekannt, sehr wohl aber die Verbreitung des Stimulans als Modedroge während der 60er Jahre. Marihuana und LSD wurden in dieser Zeit von vielen Musikern, Schriftstellern oder auch Schauspielern konsumiert.
Äußerst interessant im Zusammenhang mit der Erforschung der psychogenen Wirkung der Droge, die in Deutschland unter das Betäubungsmittelgesetz fällt, sind abhängig vom Konsumenten stark unterschiedliche Auswirkungen. Sehr geringe Mengen können bei manchen Menschen zu extremen Psychosen führen - dies wohlgemerkt obwohl die Substanz selbst nachgewiesenermaßen nur sehr schwach toxisch ist. In der Schweiz wird LSD teilweise im Rahmen der Psychotherapie eingesetzt. Eine Pilotstudie mit schwer kranken Patienten wurde vor zwei Jahren zu diesem Zweck von der Schweizer Regierung genehmigt.
Übrigens: Es ist wohl mehr als ein Gerücht, dass der Satz "Wenn man im Paradies lebt, will man ja nicht so schnell weg" von Albert Hofmann stammt.