Nachdem mein Beitrag zum Thema "Thai Boys" recht hohe Wellen geschlagen hat und ich zahlreiche Zuschriften hierzu erhalten habe, möchte ich einige grundsätzliche Dinge zum Thema Thailand im allgemeinen und Pattaya im besonderen klar stellen. Insbesondere möchte ich zu zwei bedeutenden Eckpfeilern westlicher Moralvorstellungen - den Themen Prostitution und Ladyboys ("Gathoeys") - Stellung beziehen.
Ich bin deutscher Staatsbürger und lebe in Thailand, genauer gesagt im oft sarkastischerweise vom thailändischen Tourismusverband als "Seebad" bezeichneten Touristenmoloch Pattaya. Ich liebe Thailand und auch den besagten Touristenmoloch, glaube aber, dass ich im Gegensatz zu den meisten meiner bierbenebelten Mitstreiter aus Germanistan durchaus dazu in der Lage bin, links von rechts zu unterscheiden und Ursache und Wirkung nicht zu verwechseln.
Pattaya befindet sich etwa zwei Autostunden südöstlich von Bangkok direkt am Meer. Der Ursprung des Ortes liegt im Vietnamkrieg, als das damals verschlafene kleine Fischerstädtchen der US-Marine als Stützpunkt diente. Genau jene Marines waren es auch, die aufgrund ihrer "Nebenkriegschauplätze" in den Betten thailändischer Mädchen den Wandel vom Fischerdörfchen zum Touristenort begünstigten. Ich sage bewusst begünstigten und nicht ermöglichten oder gar erzwangen, da der in den folgenenden Jahrzehnten stattfindende Wandel primär von Thailand selbst gesteuert wurde. Pattaya zählt heute schätzungsweise 300.000 Einwohner - genau weiß dies niemand, da das System der Einwohnermeldung wie aus Deutschland bekannt zwar grundsätzlich vorhanden ist, aber dennoch nicht funktioniert. Der Grund ist, dass ein Großteil der Einwohner aus dem armen Nordosten (Isan) kommt und auch dort gemeldet ist, sich jedoch in Bangkok, Pattaya, Phuket oder wo auch immer es Geld zu verdienen gibt, aufhält.
Das "Seebad" wurde primär bekannt als Ort der Prostitution und der "Gathoeys" (das dritte Geschlecht), als Ort der leichten Mädchen und sicherlich auch der leichten Jungs. Dieser Aspekt ist ohne Zweifel vorhanden und er ist auch kaum übersehbar. Grundsätzlich falsch ist es jedoch, was von vielen Moralhütern im Westen oft glauben gemacht wird, dass Prostitution in Thailand aufgrund des Tourismus und aufgrund der Anwesenheit der "Farangs" existiert ("Farang" ist eine Bezeichnung für westliche Ausländer in Thai). Auch wenn sich dies sarkastisch anhören mag: Prostitution gehört vielleicht mehr als alles andere zur Kultur Thailands und hat seinen Ursprung primär in der hedonistischen Philosophie vom Leben eines Großteils der thailändischen Männer. Dieser Philosophie folgend hat grundsätzlich jeder thailändische Mann das Recht sich eine Nebenfrau (in Thai "mia noi") zu halten und genauso hat er auch das Recht seinen Bedürfnisssen in einem dementsprechenden Etablissement nachzugehen. Bordelle gibt es in Thailand überall und "typisch thai" ist in keiner Weise das Nobel-Etablissement in Bangkoks Sukhumwit oder Patpong, typisch ist vielmer das schmierige Kleinstadt-Bordell, in welchem Mädchen auf 100-Bath-Kundschaft für eine schnelle Nummer warten (umgerechnet etwa 2 Euro) bevor der "gestresste" Mann zur arbeitenden Ehefrau oder zu wartenden "mia noi" zurückkehrt.
Ähnlich wie die Prostitution werden auch die zahlreichen "Ladyboys", welche auf Thai als "Gathoeys" bezeichnet werden, mit Thailand im allgemeinen und Pattaya im besonderen verbunden. Grundsätzlich lässt sich zunächst eines vorwegschicken: DEN "Gathoey" gibt es nicht, zahlreiche Abstufungen zwischen Mann und Frau sind möglich oder anders ausgedrückt: Der Weg vom Mann zur Frau benötigt seine Zeit (und natürlich auch Geld). "Gathoeys" sind in Thailand anerkannt, Homosexualität wird grundsätzlich mit keinem Stigma belegt, auch die buddhistische Religion akzeptiert gleichgeschlechtliche Beziehungen als gleichwertig. Schwierig zu beantworten ist die oft gestellte Frage, warum es in Thailand denn nun mehr "Ladyboys" gibt als anderswo. Neben eventuellen genetischen Ursachen (die ich nicht zu beurteilen vermag) spielt die Thai-Philosophie von "Schönsein" sicherlich eine ganz entscheidende Rolle. Von frühester Kindheit an wird Thais die Wichtigkeit der äußeren Erscheinung "eingeimpft", werden Kinder geschminkt und zurechtgemacht, nehmen mit sechs Jahren an Schönheitswettbewerben teil etc. Der Unterschied zwischen Europa und Thailand ist vielleicht, dass der typische Transvestit bei uns um die 40 ist (oder noch älter) und eine komische bis bizarre Erscheinung besitzt. Typisch für Thailand ist ein Junge unter 20 (teilweise weit darunter, aber es soll an dieser Stelle kein weiteres Vorurteil diskutiert werden), der den festen Wunsch verspürt, seine Schönheit durch den Wandel zur Frau vollkommen zu machen.
Gathoeys prägen das Alltagsleben in Thailand. Wer mit offenen Augen beispielsweise durch Bangkok läuft wird manchmal mehr "Ladyboys" erspähen als "richtige" Frauen. Ich werde in diesem Zusammenhang von fast allen "Farangs", die mich in Thailand besuchen, oft gefragt, woran man denn erkennen kann ob es sich um ein Mädchen oder um einen "Ladyboy" hadelt. Um den mir in diesem Beitrag von manchen Seiten vorgeworfenen Sarkasmus zu untermauern: Ganz einfach - jedes Mädchen, das ZU hübsch ist, ist ein Junge!
Apropos "richtige" Frauen: Es passiert in Pattaya jeden Abend wahrscheinlich zig mal, dass betrunkene "Farangs" auf ihrer Suche nach einem hübschen Mädchen und einer "mia Noi" für eine Nacht doch einen Jungen erwischen. Dies stellen sie jedoch (wenn überhaupt!) erst zu spät fest und dann gilt meist auch hier: "Augen zu und durch"!
