Kaum eine andere Geschichte bzw. kaum ein anderer Film ist für das Deutschland der späten 70er Jahre zu einem vergleichbaren Synonym geworden wie "Die Kinder Vom Bahnhof Zoo". Heute - rund dreißig Jahre später - steht die richtige Christiane F. wieder im Mittelpunkt des nach wie vor aktuellen Themas "Drogensucht" und droht dabei das Sorgerecht für ihre Kinder zu verlieren.
Drogen und die damit zusammenhängenden Wege der Beschaffung sind früher wie heute ein viel diskutiertes Thema. Doch kaum eine andere Geschichte hat wohl dermaßen den Nerv ihrer Zeit getroffen wie die der Christiane F. vom Bahnhof Zoo. Der 1978 gedrehte Film thematisiert die Drogensucht eines 13-jährigen Mädchens, das ihren Konsum primär durch den Kinderstrich am Berliner Bahhof Zoo finanziert. Das Buch bzw. der danach gedrehte Spielfilm schildern sehr eindrucksvoll die Lebensgeschichte eines Mädchens, welches Albtraumhafte Familienverhältnisse mit dem Weg in die Drogensucht zu kompensieren versuchte. Prügelnde Väter und verzweifelte Mütter sind sicherlich nicht der Regelfall, aber doch häufiger als man oft denkt. An dieser Tatsache dürften auch 30 Jahre nichts geändert haben.
Christiane F. suchte aufgrund der gemachten Erfahrungen mit der Erwachsenenwelt den Weg in eine Umgebung von Gleichaltrigen - doch ihre Clique, die sie selbst als "ihre Familie" bezeichnete, war denn auch der erste Schritt auf dem Weg in den Abgrund. Dem Alkohol folgte die erste Haschisch-Zigarette in einem evangelischen Jugendfreizeitheim. Nächtliches Domizil des Mädchens war die Diskothek "Sound" an der Genthiner Straße (Tiergarten). Hier fand man neben lauter Musik, "wahnsinnigen Lichteffekten" und schrillen Typen auch das komplette Drogenbüffet bis hin zu Heroin. Der Kinderstrich gleich um die Ecke begünstigte schließlich den Weg in die Prostitution. Sucht fordert Opfer, und so starben die Freunde von Christiane F. nun in grausamer Regelmäßigkeit.
Im Alter von bereits 16 Jahren erschienen die Memoiren der Christiane F. Im Zentrum des Berichtes standen die sozialen Schlüsselthemen der 70er-Jahre wie Entfremdung aufgrund von Urbanisierung, Ehescheidung, Generationenkonflikt und staatliche Ohnmacht. Die Memoiren entstanden aufgrund der Aktivitäten des Autors Horst Rieck, welcher die damals 15 Jahre alte Christiane am Rande eines Prozesses in Berlin kennen lernte. Aus den Erzählungen des Mädchens entstand eine Serie in der Hamburger Illustrierten "Stern" und anschließend auch ein Buch. Internationale Bekanntheit erlangte auch die Verfilmung des Romans durch Bernd Eichinger.
Die Geschichte des Mädchens vom Bahnhof Zoo endet dort wo sie begann - in einem ebenfalls trostlosen Provinzkaff. Nach Hilfestellung durch die Famile beginnt sie mit einer Lehre. Jahre später wird der richtige Name des von den Autoren von Buch und Film immer anonym gehaltenen Mädchens aus Berlin bekannt, doch der Begriff "Christiane F." bleibt DAS Synonym für Drogensucht schlechthin.
Die weitere Lebensgeschichte der heute 46-jährigen nimmt trotz relativ hoher Einnahmen aus Buch und Film und mehreren erfolgversprechenden Anfängen in verschiedenen Branchen nicht unbedingt eine glückliche Wendung. Immer wieder folgen Rückfälle, auch Intermezzi in der Schweiz und in Griechenland sind von der Sucht nicht frei. Im Jahre 1996 bekam sie einen Sohn, der ihr neuen Halt zu geben schien, nahm aber weiterhin die Ersatzdroge Methadon.
Die aktuelle Krise rührt von einem schweren Absturz in Amsterdam und der Mitnahme ihres Sohnes unter Missachtung behördlicher Anweisungen. Das Jugendamt Potstdam-Mittelmark stellte nun fest, dass "sie der Erziehung und der Aufsichtspflicht des Kindes nicht mehr nachkommen kann". Als Gründe wurden der Drogenkonsum sowie psychische Probleme genannt. Aktuell wird geprüft, ob der Großmutter das Sorgerecht für den Jungen zugesprochen werden kann