Thailand und insbesondere die Hauptstadt Bangkok erleben momentan eine seltsame Art von Aufstand: Eine im Innersten wohl gar nicht so demokratische Oppositionsbewegung namens PAD ("People Alliance for Democracy") versucht den Ministerpräsidenten Samak Sundaravej zum Rücktritt zu bewegen.
Thailand ist mehr als die allermeisten Länder auf dieser Erde an Auftstände und Putsche gewöhnt. Nach dem Ende der absoluten Monarchie im Jahre 1932 ist es mittlerweile der zwanzigste.
Aber dennoch ist dieses Mal einiges anders als sonst und die Geschichte lohnt eine nähere Betrachtung: Im September 2006 schaffte es die "Volksallianz für Demokratie" den damaligen Ministerpräsident Thaksin Shinawatra aus dem Amt zu "putschen". Nun gilt ihr Zorn dem jetzigen Ministerpräsidenten Samak Sundaravej, den sie für einen Strohmann Thaksins hält, der seine Befehle von London aus via Telefon erteilen soll. Von London deswegen, da der bei den allermeisten Thais äußerst populäre Thaksin einem laufenden Verfahren wegen Korruption in Zusammenhang mit einem Landkauf in Bangkok den Rücken kehrte um einer eventuellen Gefängnisstrafe zuvorzukommen. Mit auf der Flucht befindet sich seine bereits zu drei Jahren verurteile Ehefrau (zum Fluchtzeitpunkt auf Kaution) sowie weitere Familienmitglieder.
Seit Mai heizt die aus oppositionellen Akademikern, Intellektuellen und Aktivisten bestehende PAD die Stimmung in Thailand an, seit rund einer Woche belagern sie nun den Regierungssitz in Bangkok. Der Klassenkampf wird deutlich wenn man sich vergegenwärtigt, dass Khun Thaksin insbesondere bei den Armen des Landes (und insbesondere im Nordosten Isan) über eine ungeheure Popularität verfügt, billige Kredite und billige Krankenversicherungen machten ihn zum Volkshelden. Auf der anderen Seite steht das Establishment des Landes insbesondere in Bangkok, das in der Thaksin-Ära seine Pfründe gefährdet sah. Aufgrund der gemachten Ausführungen lässt sich also sehr wohl der Schluss ziehen, dass es sich hier an sich um einen Aufstand des Establishment gegen die Marionette Sundaravej handelt. Vom Grundsatz her ist die "People Alliance for Democracy" wesentlich konservativer und rechter gesinnt als die aktuelle Regierung. Angestrebt wird eine traditionell starke Rolle des Militärs sowie eine teilweise Besetzung des Parlaments durch Ernennung.
Es bleibt abzuwarten wie sich die Situation in Bangkok und in ganz Thailand entwickelt, die von zahlreichen Veranstaltern herausgegebenen Reisewarnungen sind zum aktuellen Zeitpunkt aber übertrieben, selbst in der "Stadt der Engel" bekommt man von dem Ganzen fast nichts mit, wenn man sich nicht gerade direkt im Regierungsviertel aufhält.