Was wochenlange Proteste nicht schafften, ermöglichte nun die Verletzung einer Klausel in der thailändischen Verfassung: Ministerpräsident Samak Sundaravej stürzte über seine Teilnahme an einer Fernseh-Kochshow, das oberste Gericht des Königreichs in Bangkok enthob den Regierungschef seines Amtes aufgrund unerlaubter Nebeneinkünfte.
Die Sache nimmt mittlerweile recht bizarre Züge an: Seit Wochen belagert eine einflussreiche Schar names PAD ("People Alliance for Democracy") das Regierungsgebäude in Bangkok und hindert den im Dezember letzten Jahres vom Volk gewählten Ministerpräsidenten Samak Sundaravej an der Ausübung seiner Geschäfte. Die PAD wirft dem Regierungschef vor lediglich eine Marionette des früheren Ministerpräsidenten Thaksin Shinawatra (mittlerweile in London im Exil lebend) zu sein.
Die Situation ist vor allem deswegen äußerst verfahren, da es sich bei der PAD um eine Mischung aus einflussreichen Ex-Generälen, Konservativen und Intellektuellen handelt, weshalb ein gewaltsames Räumen des Regierungssitzes durch Polizei und / oder Armee bisher unterblieb.
Dass es nun doch zum Sturz von Khun Samak kam ist seiner Beteiligung an einer Kochshow im thailändischen Fernsehen zu verdanken. Dies verstösst dem Urteil des Bangkoker Verfassungsgerichts folgend gegen eine Vorschrift der thailändischen Verfassung, welche dem Regierungschef Einnahmen aus anderen Beschäftigungen oder Beteiligungen verbietet. Die Vorschrift dient der Vermeidung von Interessenskonflikten. Der Argumentation Sundaravejs als freier Mitarbeiter der Kochshow tätig gewesen zu sein und das Honorar an seinen Fahrer weitergereicht zu haben folgten die Verfassungsrichter nicht.
Was die Zukunft in dieser Angelegenheit bringt lässt sich nach wie vor nicht absehen. Das aktuelle Kabinett ist zwar abgesetzt, bleibt aber geschäftsführend im Amt bis ein neues Kabinett gebildet ist. Wahlen können innerhalb weniger Tage stattfinden, Samaks Partei PPP wird ihren Vorsitzenden wiederum zum Ministerpräsidenten vorschlagen und ihn aufgrund der Koalitionsverhältnisse mit klarer Stimmenmehrheit wiederwählen. Die oppositionelle PAD hat bereits angekündigt für diesen Fall ihre Proteste fortzusetzen.
Ebenfalls abzuwarten bleiben die Auswirkungen auf den Tourismus, bekanntermaßen wichtigster Wirtschaftsfaktor in Thailand. Viele Länder warnen ihre Bürger aktuell vor einem Urlaub im "Land des Lächelns", die Hochsaison steht unmittelbat bevor und enorme Einbrüche sind zu erwarten. Dies dürfte das Land schwerer treffen als der Hobbykoch Sundaravej.