Eine Geschichte wie aus einem schlechten Roman: Susanne Klatten, BMW- und Altana-Großaktionärin und aktuell reichste Frau Deutschlands, ist Opfer eines windigen Erpressers geworden. Klatten ließ sich mit einem Herrn aus der Schweiz ein und wurde daraufhin mit "kompromittierenden Aufnahmen" erpresst...
Die Geschichte liest sich in der Tat so als sei sie reine Fiktion, aber dem ist nicht so: Susanne Klatten - Erbin der Unternehmerfamilie Quandt - beginnt eine Beziehung zu einem smarten Unternehmer aus der Schweiz. Dieser tischt der wohlhabenden Dame allerlei (bei gesundem Menschenverstand allerdings nicht unbedingt glaubhafte) Lügengeschichten auf und erleichtert die verheiratete Milliardärin zunächst "nur" um einige Millionen Euro, um sie dann später in Zusammenarbeit mit dem Chef einer Sekte mit kompromittierenden Aufnahmen zu erpressen.
Wie jetzt bekannt wurde hat Klatten bereits im Januar Strafanzeige wegen Betrugs und Erpressung gegen den Schweizer Helg S. gestellt. Dem Charme des freundlichen, aufmerksamen und gut aussehenden Mannes sollen mindestens vier reiche deutsche Frauen erlegen sein - gekonnt ist eben gekonnt!
Die Lügengeschichten von Helg S. drehten sich indes um eine abstruse Bedrohung durch die italo-amerikanischen Mafia, da er bei einem Autounfall ein Kind aus einer Mafiafamilie verletzt habe. Für eine notwendige Entschädigung der Mafiabosse brauche er nun logischerweise Geld, da er sonst in Lebensgefahr schwebe. Susanne Klatten gab ihm damals satte 7,5 Millionen Euro, da sie der Geschichte voll und ganz Glauben schenkte.
Wie zu erwarten gab sich S. mit ein paar Millionen aber nicht zufrieden und forderte von der Milliardärin zunächst 40 Millionen Euro, die er später auf 14 Millionen reduzierte. Erpressungsgegenstand waren kompromittierenden Aufnahmen von gemeinsamen Treffen, bei einem Treffen in Monte Carlo am 14. Januar sollte die Geldübergabe stattfinden. Doch statt auf das Erpressungsopfer traf S. dort auf die Polizei, nachdem die BMW-Großaktionärin Strafanzeige erstattet hatte.
Wie mittlerweile bekannt wurde haben die Erpressungen mit Bildern gemeinsamer Begegnungen im Herbst 2007 begonnen. Im Februar dieses Jahres wurde dann in Italien ein Komplize des Schweizers festgenommen. Hierbei handelte es sich um den Unternehmer Ernano B., angeblich Führer einer ominösen Sekte. Bei der Festnahme wurden durch die Polizei etwa 1,7 Millionen Euro an Bargeld beschlagnahmt, dazu zehn Luxusautos, zwei Villen und ein Mehrfamilienhaus. Wohl mehr als 20 Millionen Euro wurden von den Tätern bereits in Sicherheit gebracht - primär soll das Kapital in Investitionen im ägyptischen Scharm el-Scheich und in Ländern Lateinamerikas geflossen sein.
Wie die Münchner Staatsanwalt bestätigte, befindet sich Helge S. seit einigen Monaten in Haft. Von den ominösen Aufnahme fehlt dagegenen nach wie vor jede Spur. Interessant und bizarr gleichermaßen sind indes die Rechtfertigungsversuche des Erpressers: Die Rede ist dabei von einer Revanche für das Schicksal jüdischer Verwandten im Dritten Reich (der Vater einer der erpressten Frauen sei ein enger Mitarbeiter Hitlers gewesen, eine andere Dame sei Tochter eines Industriellen, welcher während des Zweiten Weltkriegs Verwandte von S. als Zwangsarbeiter beschäftigt habe).