Neben den erschütternden Ereignissen im indischen Bombay steht vor allem die thailändische Hauptstadt Bangkok in den letzten Tagen im Mittelpunkt des weltweiten Interesses. Seit vergangenen Dienstag ist Thailand aufgrund einer Flughafenbesetzung durch Demonstranten nahezu vollständig jedweder Erreichbarkeit auf Luftwegen beraubt.
Eine lange Geschichte mit unzähligen Artikeln in den Weiten des World Wide Web. Nicht alle sind gut recherchiert und teilweise hat man durchaus das Gefühl, dass der eine vom anderen abschreibt ohne auch nur ansatzweise sich jemals mit den Hintergründen des Ganzen auseinandergesetzt zu haben.
Die Fakten in aller Kürze: Die Anhänger der "People Alliance for Democracy" PAD belagern in Bangkok seit rund vier Monaten (bis zum heutigen Tage) den thailändischen Regierungssitz. Auf das Wesentliche komprimiert forden sie den Rücktritt von Ministerpräsident Somchai Wongsawat und in Kombination eine Umwandlung des Wahlsystems in eine teilweise Ernennung des Parlaments (70 Prozent ernannte und 30 Prozent gewählte Abgeordnete). Nachdem die bisherige Belagerung nicht von ausreichendem Erfolg gekrönt wurde, erfolgte vergangene Woche die Besetzung des internationalen Flughafens Suvarnabhumi und einen Tag später auch die Übernahme des nationalen Airports Don Muang.
In Thailand gehen die Uhren anders, dies zeigt auch die alles entscheidende Frage zum Hintergrund der "People Alliance for Democracy". Während rund um die Welt Aufstände, Demonstrationen oder wie auch immer man es nennen mag durch das Volk getragen werden, das sich nach mehr Mitbestimmung sehnt, sieht die Sache hier genau umgekehrt aus: In der PAD sind die Mittel- und Oberschicht aus Bangkok organisiert, wohlhabende Geschäftsleute, Intellektuelle und Royalisten. Auf der anderen Seite steht die überwiegend weniger gebildete Bevölkerung in den ländlichen Gebieten insbesondere im Norden und Nordosten des Landes. Diese verhalf mit ihren Wählerstimmen dem mittlerweile im Exil lebenden Thaksin Shinawatra und auch seinem Nachfolger Samak zu klaren Wahlsiegen. Die Wahlsiege wurden primär durch populistische Versprechungen erreicht, günstige Kleinkredite und eine de facto kostenlose Krankenversicherung sind an erster Stelle zu nennen.
Der grundlegende Bruch zwischen der (vermeintlich) ungebildeten Landbevölkerung und der hauptstädtischen Oberschicht ist primär darin zu sehen, dass das thailändische Volk mit der demokratischen Mehrheit Politiker gewählt hat, die den Vorstellungen der heutigen Demonstranten nicht entsprechen. Die gemachte Vorwürfe sind indes nicht unbedingt falsch, primär wird der regierenden PPP Machtmissbrauch und Korruption vorgeworfen, ob das Vorhandensein dieser Phänomene denn wirklich mit der Demokratie an sich zusammenhängt sei dahin gestellt. Die Begründung der PAD für ihre Forderung nach einem teilweise ernannten Parlament ist die Anfälligkeit demokratischer und vollständig auf Wahlen basierender Systeme für Korruption.
Am morgigen Dienstag wähnt sich die PAD am Ziel ihrer Bestrebungen, allen Erwartungen nach wohl auch durchaus zurecht. Morgen entscheidet das oberste thailändische Gericht in Bangkok nämlich einen Wahlbetrugsanklage gegen die PPP. Im Falle einer Feststellung von Wahlbetrug, mit der zu rechnen ist, müsste Ministerpräsident Somchai Wongsawat umgehend zurücktreten, womit die Hauptforderung der Demonstranten erfüllt wäre. Ein spannender Tag erwartet uns also morgen, dessen Ergebnis - ob so oder so - und ein mögliches Ende der Flughafenbesetzung den grundlegenden Bruch in der thailändischen Gesellschaft aber nicht beseitigen wird.
Zum Schluss sei noch darauf hingewiesen, dass (bis zum jetzigen Zeitpunkt) Touristen in keine Auseinandersetzungen verwickelt wurden. Auch in der Hauptstadt Bangkok bekommt man von allem so gut wie gar nichts mit, eine Großkundgebung von Regierungssympathisanten am vergangenen Wochenende einmal ausgenommen. Wer sich nicht im Regierungsbezirk aufhält und ansonsten jeden Tag einen anderen Stadteil der großen Stadt Bangkok durchwandert, der könnte meinen, dass alles wie immer sei (hier gibt es Informationen zum Ferienhaus Kauf im Ausland).