Jeder Mensch hat wohl andere Erwartungen und Hoffnungen, was das Jahr 2009 anbetrifft. Was mir bisher allerdings noch nicht bekannt war, ist die Tatsache, dass das gerade mal fünf Tage alte neue Jahr von den Vereinten Nationen offiziell zum "Jahr der Astronomie" erklärt wurde.
Mit der Proklamation zum "Jahr der Astronomie 2009" folgte die Generalversammlung der Vereinten Nationen einem Vorschlag der Internationalen Astronomischen Union (IAU), der vor allem auf der Würdigung einer über aller Kulturkreise hinweg bedeutenden Naturwissenschaft basiert, die zudem mit Fug und Recht als wohl älteste Naturwissenschaft überhaupt bezeichnet werden kann.
Warum gerade 2009? Nun - auch dies lässt sich aus Sicht der Sternenforscher ganz einfach begründen: Im Jahre 1609 - also vor genau 400 Jahren - erkundete der italienische Naturforscher Galileo Galilei erstmals den Sternenhimmel mit Hilfe eines Fernrohrs. Das Fernrohr an sich geht auf den Holländer Jan Lippershey zurück und wurde von Galilei verbessert. Vom ersten Teleskop mit einer etwa vierfachen Vergrößerung führte der Weg zu Teleskopen mit bis zu 33-facher Vergrößerung in späteren Jahren.
Die Entdeckungen Galileis brachten das damalige Weltbild entscheidend ins Wanken. So konnte er beispielsweise Berge und Krater auf dem Mond beobachten, bemerkte das unterschiedliche Erscheinungsbild von Planeten und Fixsternen im Teleskop (erstere stellen sich als Scheiben dar) und fand die vier größten Jupitermonde Io, Europa, Ganymed und Kallisto, welche dem Entdecker zu Ehren auch als "Galileische Monde" bezeichnet werden. Auch die Zusammensetzung der Milchstraße aus zahllosen einzelnen Sternen wurde erstmals von Galilei beobachtet. Legendär ist eine Federzeichnung der Mondoberfläche im "Sidereus Nuncius" (Sternenbote) aus dem Jahre 1610, das den italienischen Naturforscher über Nacht berühmt machte. Richtungsweisend für die wissenschaftliche Astronomie war auch die Veröffentlichung des Buches "Astronomia Nova" durch Johannes Kepler 1609, welches die Gesetze der Planetenbewegung zum Thema hat.
Viele Jahre sind vergangen, aber Galileis noch gar nicht so tiefer Blick an das Firmament war die Geburtsstunde der professionellen Astronomie. Die verwendeten Instrumente haben sich im Laufe der Jahrhunderte natürlich sehr verändert, geblieben ist eine Wissenschaft, die in allen Kulturkreisen eine große Rolle spielt. Das "Jahr der Astronomie" soll einerseits an die Anfänge der Himmelsforschung erinnern, andererseits aber auch rund um den Globus das Interesse an dieser Wissenschaft wecken, die zahlreichen fachbezogenen Veranstaltungen und Aktivitäten während dieses Kalenderjahres stehen unter dem Motto: "Das Weltall: Du lebst darin – entdecke es!".
Zudem wird es Aufgabe einer eigens geschaffenen Initiative sein, die interessierte Öffentlichkeit über neueste astronomische Entdeckungen zu unterrichten. Über 100 nationale, kompetent besetzte Komitees wollen vor allem Kinder rund um den Globus erreichen und ihr Verständnis für die Welt, in welcher sie leben, vertiefen. Auch die Bedeutung des Nachthimmels an sich als einzigartiges Naturdenkmal soll unterstrichen werden.