Ein seltsamer Streit spielt sich aktuell zwischen der Google-Tochter YouTube und der Verwertungsgesellschaft Gema ab. Leidtragend sind in erster Linie die deutschen Nutzer des beliebten Videportals, seit Dienstag müssen diese nämlich auf die allermeisten Musikvideos verzichten.
YouTube ist das größte und beliebteste Videoportal im Internet weltweit. Auch in Deutschland besitzt das Web2.0-Angebot zahlreiche Fans, die seit gestern "in die Röhre kucken": Derzeit sind alle Musik-Clips für deutsche Nutzer gesperrt, wer beispielsweise nach Bushido sucht, der bekommt zwar umfangreiche Suchergebnisse, bei vielen Treffern folgt aber lediglich die Botschaft "Dieses Video ist in deinem Land nicht verfügbar". Die genaue Anzahl der betroffenen Musikvideos ist unbekannt, es sollen aber mehrere tausend sein. Betroffen sind Musikvideos, welche von den Plattenfirmen selbst online gestellt wurden sowie von Usern angefertigte Kopien.
Anders verhalten soll sich die Angelegenheit bei privaten Videos, welche nicht gefiltert werden, obwohl auch hier eine rechtliche Grauzone besteht: Genau genommen wird das Urheberrecht natürlich auch dann verletzt, wenn bei einem Privatvideo entsprechende Musik im Hintergrund läuft oder ein Karaoke-Fan sein Talent zum Besten gibt.
Hintergrund des Ganzen ist ein Streit zwischen YouTube und der Gema (Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte). Bis dato zahlte die Google-Tochter an die Gema eine Nutzungspauschale, der betreffende Vertrag ist nun aber ausgelaufen. Welche Forderungen von Seiten der Verwertungsgesellschaft im Raum stehen ist aktuell unklar, bei YouTube wird von bis zu 12 Cent pro Clip gesprochen, auch von einem vorübergehenden Angebot von 1 Cent ist die Rede. Laut offizieller Verlautbarung aus dem Hause Gema steht nicht das Geld im Vordergrund, sondern mehr Transparenz. Eine Vertragsverlängerung auf Pauschalbasis steht wohl nicht zur Debatte, vielmehr wird eine gerechte Entlohnung der betroffenen Künstler angestrebt. Diese kann jedoch nur mit entsprechenden Statistiken erfolgen, welche das Portal nicht zur Verfügung stellen will.
Ein ähnlicher Konflikt ist im übrigen seit zwei Wochen in Großbritannien vorhanden, wo ebenfalls allle Musikvideos gesperrt wurden. Die dortige Verwertungsgesellschaft organisiert sich mit einer Vereinigung britischer Künstler, die den Namen "Featured Artists Coalition" trägt. Näheres zur Situation in Großbritannien ist auf dieser Internetseite nachzulesen.
Wie es weitergeht ist momentan unklar, in jedem Falle sind beide Parteien an einer schnellen Problemlösung interessiert. Das bereits erwähnte Angebot von einem Cent dürfte dabei durchaus eine Verhandlungsbasis sein, den Knackpunkt stellt aber wohl die Forderung nach Einblick in die Nutzerzahlen dar.