Während der letzten Tage spielt sich in Deutschlands Gazetten ein Medienspektakel der besonderen Art ab. Die No-Angels Sängerin Nadja Benaissa soll bewusst zumindest einen, mutmaßlich aber mehrere Menschen mit dem HI-Virus angesteckt haben. Deutschlands meistgelesene Tageszeitung bekam jetzt einen Maulkorb.
Man kann bekanntlich über die meisten Dinge im Leben streiten und über guten Geschmack ohnehin. Pressefreiheit hin und her, öffentliche Meinungsbildung und Allgemeininteresse in allen Ehren, aber was Deutschlands bekanntester Meinungsbildner während der letzten Tage zum Fall Nadja Benaissa so von sich gegeben hat, ist sicherlich unterste Schublade.
Für all diejenigen, die's noch nicht wissen sollten (ein Satz von Klaus Wowereit ich weiss...): Der 26-Jährigen Sängerin der Pop-Band No Angels wird vorgeworfen ungeschützten Geschlechtsverkehr gehabt zu haben, obwohl sie wusste, dass sie HIV-positiv ist. Auf diese Art und Weise soll sie zumindest einen Mann angesteckt haben wie sich der öffentlichen Stellungnahme der Staatsanwaltschaft entnehmen lässt (was für ein Rechtssystem...). Aufgrund von Wiederholungsgefahr sitzt die besagte Damen nun in U-Haft, falls sich die Vorürfe als richtig erweisen sollten droht ihr eine mehrjährige Haftstrafe.
Wie bereits eingangs angemerkt hat Deutschlands Boulevardpresse den Fall während der letzten Tage richtig ausgeschlachtet, nun aber untersagte das Landgericht Berlin der Bild-Zeitung weiter über den Fall zu berichten (doch ein Lichtblick...). Die Begründer der Berliner Richter fusst auf dem Fehlen von öffentlichen Interesse. Nun - über diese Begründung lässt sich sicherlich streiten, ohne Zweifel gibt es eine ganze Reihe Bundesbürger, die an dem Fall interessiert sind. Aber - und dies ist der eigentliche Kern des Problems: Es geht nicht um die Steuerhinterziehungsgeschichte um Klaus Zumwinkel (auch der war heute in besagter Zeitung dran...) oder um einen möglichen Meineid eines ehemaligen Innenmisters oder um die Alkoholfahrten eines bekannten CSU-Politikers (jetzt ist Nachdenken angesagt....). Es wird hier der grundgesetzlich garantierte Schutz der Intimsphäre eines Promis dritter Klasse verletzt (wer kennt die Frau eigentlich bzw. wer kannte sie vorher eigentlich?). Es wird die innere Gedanken- und Gefühlswelt, das Sexualleben einer jungen Frau nach außen gekehrt, die Rechtfertigung der Boulevardpresse, Nadja Benaissa habe als Teenie-Idol ausgedient, ist nicht mehr als ein schlechter Witz.
Vollkommen unabhängig von der für mein Verständnis vollkommen inakzeptablen Presseerklärung der Staatsanwaltschaft gilt zudem - wie an sich üblich in diesem, unserem Rechtsstaat - zunächst die Unschuldsvermutung - auch für die betroffene No-Angels Sängerin. Sie ist nicht verurteilt, mögliche Liebhaber der jungen Dame sollen aktuell aber begehrte Interviewpartner sein. Ach ja: Ich weiß eigentlich immer noch nicht wer die "No Angels" eigentlich sind. Aber darum geht es hier auch nicht!!!