Der Vorstoß der Drogenbeauftragten der Bundesregierung, Sabine Bätzing, wirkt bizarr, ist aber wohl durchaus angebracht. In Anbetracht der Tatsache, dass immer mehr Jugendliche dem Komatrinken frönen, fordert die SPD-Politikerin jetzt bereits im Grundschulunterricht gegen das Phänomen vorzugehen.
Schockierende Zahlen als Basis dieser ungewöhnlichen Alternative: Mehr als 23.000 Kinder und Jugendliche landen jedes Jahr nach exzessivem Alkoholkonsum im Krankenhaus. Dieser exzessive Konsum hochprozentiger Alkoholika wird unter Jugendlichen auch als Komasaufen bezeichnet und ist eine regelrechte Mode geworden. Die Drogenbeauftragte der Deutschen Bundesregierung, Sabine Bätzing, will nun das Übel an der Wurzel im Sinne möglichst frühzeitiger Prävention packen: Im Schulunterricht sollen Stunden für gesundes Leben zukünftig ein fixer Bestandteil werden. Vorbild dieser besonderen Präventionsarbeit ist England, wo ein ähnliches Modell bereits seit mehreren Jahren erfolgreich zum Einsatz kommt.
Durchaus richtig in diesem Zusammenhang ist ohne Zweifel die Festellung der SPD-Politikerin, dass es eindeutig zu spät ist erst in der neunten Klasse im Biounterricht über Alkohol zu sprechen. Dies belegen die aktuellen Statistiken welche den Trend zum immer jüngeren Komatrinker untermauern. Interessant hierbei auch die Entwicklung zum Heimtrinker: Viele Kinder und Jugendliche trinken nicht unbedingt erst in der Kneipe oder der Discothek (auch der Preise wegen), sondern bereits vorher mit billig im Supermarkt beschaffbarem Hochprozentigen in den eigenen vier Wänden. Das Ausmaß wird dem Außenstehenden bewusst wenn man sich vergegenwärtigt, dass ein Fünftel der 12- bis 17-Jährigen "exzessives Rauschtrinken" praktiziert und der Alkoholkonsum von Jugendlichen in den Jahren 2000 bis 2007 um 143 Prozent gestiegen ist. Als vorbildhaft führt Bätzing in diesem Zusammenhang das Modell Großbritannien an, wo in einem speziellen Fach "Lebenskompetenz" vermittelt werde. Die Thematik dieses ganz besonderen Schulfaches reicht auf der Insel von Ernährung über soziale Probleme bis hin zu Alkoholkonsum.
Ein trauriger Fall, der nur zu gut zum Thema Rauschtrinken passt, ereignete sich erst Anfang Juli in Berlin: Dort wurde ein Gastwirt wegen Körperverletzung zu einer Haftstrafe verurteilt, nachdem ein 16-Jähriger in der Kneipe des Wirts mehr als 45 Tequilas serviert bekam und daraufhin starb. Unterstützung bekommt Sabine Bätzing auch vom Deutschen Städte- und Gemeindebund. Dessen Geschäftsführer Gerd Landsberg: "Wenn die Elternhäuser das offenbar nicht mehr leisten können, muss der Staat das teilweise übernehmen". Zudem kritisierte er in diesem Zusammenhang das deutsche Krankenversicherungssystem, das gerade einmal 18 Cent pro Jahr und Versichertem für Alkoholprävention ausgebe. Besonders wichtig für nachhaltigen Erfolg dürfte ohne Zweifel eine "konzertierte Aktion" sein: Verwaltung, Vereine, Schulen, Kindergärten, Jugendgruppen, Einzelhandel und Gaststätten müssen hierbei Hand in Hand arbeiten um die guten Vorsätze nicht im Keim zu ersticken.